Please enable Javascript and Flash

ich liebe tscheschen scheisse !

#1
jawa 354

die sind so hässlich !

so und nicht anders haben wir früher in unserem vorerzgebirgskaff über jawa motorräder gesprochen. das war in den 1980iger jahren. und jawas waren in unseren augen nicht nur hässlich. ihnen haftete etwas schwer verachtenswertes an. die komischen zweiräder wurden nämlich nur von echten aussenseitern bewegt. jawas fuhren exquisite typen, die im LPG kuhstall als melker arbeiteten, alte omas oder auch sonst irgendwie behinderte, arbeitsscheue, kriminelle und merkwürdige zeitgenossen. also nicht unbedingt der milchschaum der gesellschaft. wir haben diese gruppe von menschen immer ganz einfach unter einen oberbegriff geschoben - ASSIS !
a. marks zum beispiel fuhr eine dreiehalb. dreiehalb war die gängige bezeichnung für eine jawa mit 350ccm im bezirk karl marx stadt. a. marks hatte der zweite weltkrieg aus warschau ins karl marx städter umland gespühlt. sie arbeitete als erzieherin in einem gruseligen DDR heim für schwer erziehbare kinder. die beleibte a. rauchte kette, sprach das r sehr rollend und wir kinder hatten einfach nur angst vor ihr. wenn dann die alte frau auch noch mit der dreiehalb und hohlem geknatter um die ecke zog, versteckten wir uns wimmernd hinter der nächsten bushaltestelle.
war die luft wieder rein von a. leichtem urin und zweitaktgeruch, mussten wir uns schnell vor dem nächsten jawa fahrer verstecken. herr a. hut zog mit seiner hunderfünfundsiebziger an der bushaltestelle vorbei. welcher tätigkeit dieser jawafahrer nachging kann ich heute nicht mehr sagen. auf jeden fall hatte er verfettete, halblange haare. und heimlich wurde getuschelt, der mann habe eine neunzigjährige frau in einem alleinstehenden gehöft vergewaltigt !

doch warum fuhren gerade solche herzensgute aussenseiter im bezirk karl marx stadt der 1980iger jahre jawa maschinen ?
ich vermute folgendes.
in den späten fünfziger und frühen sechziger jahren galt die dreihalb von jawa als das eleganteste und kubikzentimeter reichste ostmotorrad, das man sich als junger zonenvati kaufen konnte. so wird es erzählt. natürlich, die dreihunderter ES aus zschopau hatte den viel besseren motor. doch das design war einfach nur zum in die ecke kriechen.
noch heute stehen diese nun mitsechziger und ergrauten herren weinend vor meiner jawa dreiehalb, da sie doch auf so einem gerät das erste mal an der sieglinde geschnuppert haben.
dieser gute ruf eilte den jawas noch bis in die siebziger jahre hinterher. dann ging es aber ziemlich steil bergab mit dem ansehen. die jungen vatis träumten jetzt von 353er wartburgs mit castrol aufklebern und schonbezügen. oder schigulis in creme. die jawas verrotteten langsam in genormten einheitsgaragen der neubaugebiete. und wurden billig verramscht an nicht solvente aussenseitergruppen, die auch noch einmal etwas von dem guten ruf auf ihr schon schäbiges image schmieren wollten. doch das image der assis wurde nicht besser - nur das ansehen von jawa motorrädern fiel damit noch einmal ins bodenlose ! so habe ich das zumindest im bezirk karl marx stadt erlebt.
mittlerweile hat sich das ansehen der dreihalb wieder extrem erholt. die ergrauten vatis aus den sechzigern zahlen bei ebay horrende summen, um verrottete dreihalbs zweifelhaften ursprungs zu erwerben. aus den ebaywracks werden dann chromblitzende super-neu-jawas, die neu wahrscheinlich nie so ausgesehen haben. es sei den vaddis gegönnt !

... ich liebe es, wenn meine dreiehalb alt und verrottet ist.
so hat sie für mich nämlich den charme der achtziger als rotzige, assoziale, alte tschechenscheisse !
der film zeigt das ostmotor.tv redaktionsteam auf den eigenen dreiehalbs von 1960 und 1965.

video und text: philipp hageni

... alle in diesem text aufgezählten personen sind verfremdet dargestellt. und ich habe nichts gegen ältere herren auf neuen - chromblitzenden jawas ... !

Post new comment

The content of this field is kept private and will not be shown publicly.