dänische träume

#2
jawa 579

das erste mal ist schrecklich, göttlich oder lauwarm.

bei mir kam alles zusammen. ich wurde mit 10 jahren auf den ferguson traktor meines vaters gesetzt und musste das ungetüm bewegen. ob ich wollte oder nicht. klar wollte ich. aber ich war noch sehr klein, die kupplung ruckelte schwer und mein vater gab sich nicht besonders einfühlsam und ich musste heulen und dann klemmte die kupplung und der mürrische und genervte herr vater konnte den traktor nur noch im rückwärtsgang vorwärts bewegen.
das wars dann fürs erste mit meinen fahrkünsten. aber so ein trecker war eh zu gross und zu unsportlich.
sehr schnell stieg ich auf die gelbe dreigangschwalbe von vaddi um. bei der ging nämlich alles viel leichter als auf dem scheisstraktor. da war ich dann so in etwa 11.
und unsere schwarzfahrgründe sind ein traum gewesen. bis zum horizont erstreckten sich die vorerzgebirgswälder und felder. hier konnten wir hunderte von kilometern abspulen ohne auch nur jemals einen vopo ( volkspolizisten ) zu treffen.
durch diese asphaltferne fahrweise fühlten wir uns natürlich automatisch sehr zu den unerreichbaren geländesportmaschinen von mz hingezogen. komisch. eigentlich fanden wir alles aus dem westen am besten. aber die werksgelände mz´s waren irgendwie cool. und natürlich die gelände cz´s und jawa´s. da konnte keine suzuki, yamaha oder sonst etwas mithalten. husaberg aus schweden vielleicht noch.
keine ahnung, warum das so war.

irgendwann hatte ich das alles vergessen und begann mich zaghaft wieder mit motorrädern zu beschäftigen.
jawa´s um genau zu sein. wegen der fünfziger jahre optik.
und da fiel mir irgendwann ein bild von einer jawa 579 in die hände.
sie entsprach ziemlich genau meinen idealvorstellungen von einem klassischen geländemotorrad.
gebaut wurde die 579 und ihre vorgängerinnen für das schwedische militär. jawa war anfang und mitte der sechziger erfolgreich bei den sixdays geländerennen.
also liess sich das neutrale schweden in den hochzeiten des kalten krieges mit billigen abformungen der jawa werksgeländemaschine versorgen. sachen gibts die gibts gar nicht. angeblich hat die DDR ja auch die bundeswehr mit socken versorgt.
etwa 7000 geländemaschinen wurden insgesamt an das schwedische militär geliefert. von 1958 bis 1959 gingen 1800 zweiräder mit 250ccm vom typ 553 für 1850 kronen pro stück an die schwedischen militärfreunde. ab 1961 wurden 3500 zweizylinder 350ccm motorräder in den norden geschickt. leider hatten die 350ccm motoren die jedem jawafahrer bekannten zündungsprobleme und deshalb wurden 1969 und 1970 sämtliche 350ccm motoren durch 250ccm aus dem typ 579 ersetzt.
dieser 250ccm motor hat 16,5 ps zu bieten.

... manchmal findet man im kalten norden europas noch einen haufen verrosteter 579er jawas in abgelegenen hallen.

die gefühle sind dann wie beim ersten mal.
schrecklich. göttlich oder lauwarm ...

video und text text: philipp hageni

... vielen dank an cay bernhardsson für die 579 details ...